Musikverein Burlafingen e.V.
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Burlafinger Musiker fliegen nach Brasilien

Erinnerungen an die Reise vom 08. - 24.10.1988 

„Nos comprimentamos com coracao a Banda Alemao de Burlafingen para a nossafesta Fenarreco in Brusque!" Mit diesen Worten wurden unsere Brasilienfahrer vom Bürgermeister in Brusque, einem 60.000-Seelen-Ort im Bundesstaat Santa Catarina begrüßt: „Wir begrüßen sehr herzlich die deutsche Kapelle aus Burlafingen zu unserem Fenarreco Fest (Entenfest) in Brusque!"  Wie kam es dazu, dass unsere Kapelle nach Südamerika flog, um bei einem dortigen „Oktoberfest" zünftige Stimmungsmusik zu spielen? Nun, eine Geschäftsreise führte im Herbst 1987 eine Gruppe brasilianischer Geschäftsleute in die Burlafinger Spinnerei- und Webereimaschinenfabrik GROSSE. Ihr Betreuer, unser Vereinsmitglied Heinz Heckemüller, der fließend portugiesisch spricht, führte die Delegation zum Mittagessen zum HEGELE und dort trafen sie dann zufällig unseren Dirigenten Hermann Schlapschi. Beim gemeinsamen Gespräch wurde bei den Gästen großes Interesse an deutscher Blasmusik entdeckt und nach einer musikalischen Kostprobe in einer donnerstäglichen Musikprobe luden die Brasilianer unsere Kapelle spontan in ihre Heimat ein.

Beinahe ein Jahr mit zahlreichen Telefonaten, Telex-, Bestätigungsschreiben, Anfragen und Rückantworten und anderen Reisevorbereitungen ging ins Land, bis es am Samstag, den 08.10.1988 endlich soweit war: In aller Frühe um 00:05 Uhr setzte sich der Bus von der Isel - Halle mit 26 Burlafinger Musikanten und etwa zwei Tonnen „Handgepäck" in Richtung Flughafen Frankfurt in Bewegung. Als Begleitung und zur Unterstützung der Aktiven waren der 2. Vorstand Hans Hirner, Schriftführer Dieter Hanke, Kassier Walter Brick und natürlich „Dolmetscher" Heinz Heckemüller dabei. Im Jumbo jettete man dann nonstop nach Rio de Janeiro, der viel gerühmten, viel besungenen Metropole Brasiliens. Böse Zungen behaupten, im Bordbuch des Lufthansakapitäns stehe, das Bier habe bei diesem Flug nur bis zwei Stunden vor Rio gereicht, Sekt und Weißwein eine Stunde länger.

Drei Tage verbrachten die Reiselustigen in dieser Stadt mit ihren 11 Millionen Einwohnern. Stadtbesichtigungstouren mit dem Reisebus und eine Bootsfahrt führten unsere Kapelle mit ihren Begleitern zum Zuckerhut, zum Corcovado, dem Berg mit der Christus-Figur auf dem Gipfel, zur Copacabana, zum Flamenco, auf eine einsame Palmeninsel zur mitternächtlichen Sambashow und - auf die Idee von Reiner Drittenthaler hin - sogar zu einem Meeting mit Ronald Biggs, dem legendären englischen Posträuber.

Am 11. Oktober wurde dann das eigentliche Ziel der Reise angepeilt, Brusque - 1200 km südlich von Rio. Nach unruhigem Flug Landete die Boing und Herr Kästner, ein Organisator des Oktoberfestes, begleitete die Burlafinger Delegation ins Hotel Gracher. Dies sollte für den Rest des Brasilienaufenthalts Quartier sein.

Am darauf folgenden Tag nun kam es zu jener eingangs des Berichts erwähnter Begrüßung durch den Bürgermeister von Brusque. Und am Abend durfte unsere Kapelle in ihrer original bayerischen Tracht auf der Bühne musikalisch die meist deutschstämmigen Oktoberfest-Gäste begrüßen. Lederhosen und Dirndl hatten unsere Brasilienfahrer übrigens aus eigener Tasche finanziert.

„Andere Länder - andere Sitten" heißt ein Sprichwort. Schnell stellten sich Schlapschi &Co. auf die brasilianischen Bierzeltsitten und Bierzeltbräuche ein: In der Mitte des Zeltes eine riesige Tanzfläche, drum herum Tische und Bänke, aber die allermeisten Gäste stehen mit ihrem Bier in der Hand da, und sie erwarten Musik, deutsche Musik - jedes Stück mindestens zweimal, möglichst eine Stunde am Stück und das bei einer unbeschreiblichen Lautstärke.

Die zehn Auftritte des MVB werden ein grandioser Erfolg. An zwei Abenden teilt sich die Kapelle sogar in zwei Gruppen, spielt in zwei verschiedenen Zelten und hat so das Fenarreco Fest voll im Griff. Die Zuneigung, das Temperament und die Herzlichkeit der Brasilianer lassen die allabendlichen Strapazen leicht verkraften.

Verschiedene Ständchen bei den Herren aus dem Organisationskomitee, so bei Herrn Renaux und Herrn Schlösser, stets verbunden mit einem Dank und Gastgeschenk der Vereinsführung und einem Essen bei den Gastgebern, gehörten ebenso zum Rahmenprogramm wie ein Ausflug nach Blumenau, der bekanntesten, von deutschen Auswanderern 1856 gegründeten Stadt, die heute zwar 150 Tausend Einwohner zählt, sich aber bis in unsere Tage hinein ihren typisch deutschen Charakter erhalten hat.

Nach 11 Tagen Entenfestmusik und dazugehörigem täglichen Entenbraten sehnte sich mancher Musikus aber wieder leise nach Burlafingen zurück.

Mit unbeschreiblich schönen Eindrücken, bleibenden Erinnerungen und natürlich auch mit vielen Souvenirs beladen, begann am 24.10.88 die Rückreise. Über Sao Paulo, Rio de Janeiro, von dort direkt mit der Lufthansa nach Frankfurt und dann mit dem Bus nach Burlafingen, führte der Weg, begrüßt vom Vorstand Josef Wolf und von Oberbürgermeister Dr. Biebl zu einem Fass Weizenbier und frischen Brezeln, direkt zum „Hegele". 

So schloss sich das Kapitel dieser einmaligen Reise an ihrem Ausgangspunkt.