Musikverein Burlafingen e.V.
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Schon im Vorwort des ersten Bandes unserer Vereinschronik steht als Beschluss der damaligen Vorstandschaft sinngemäß: „Die Aufzeichnungen sollen dazu dienen, das Vereinsleben in Worten festzuhalten um vor allem die Leistungen der Musikkapelle für spätere Zeiten in Erinnerung zu behalten ...“. Nachfolgenden Generationen soll diese Chronik stets ein Ansporn zur Weiterpflege der Volksmusik sein. Die Anfänge, eine Musikkapelle in Burlafingen ins Leben zu rufen, gehen auf das Jahr 1926 zurück. Auf Anregung des Kriegervereins wurde eine erste Musikkapelle aufgestellt, die aber nur kurze Zeit bestand. Andreas Leiner, 1935 aus Holzheim zugezogen, versuchte erneut einen Anfang und befasste sich sogar schon mit der Ausbildung junger Musiker. Der zweite Weltkrieg setzte seinen Bemühungen ein jähes Ende. Leiners erneute Anstrengungen nach dem Krieg scheiterte jedoch am geringen Fleiß und fehlender Ausdauer seiner Zöglinge. Andreas Leiner verstarb leider schon 1963 und erlebte so den vierten, endlich erfolgreichen Anlauf zu einer eigenen Burlafinger Musikkapelle nicht mehr. Am 13. Juli 1966 treffen sich auf Initiative der Herren Alfons Drittenthaler, Siegfried Bayha, Walter Dommin und Hans Brandstätter noch weitere 29 Personen in der „Bahnhofsrestauration“ Glöckler im heutigen Ortsteil Süd, um die Gründung einer Kapelle und eines Musikvereins voranzutreiben. Schon wenige Tage später, am 29. Juli 1966, kommen in der Brauerei Hegele 47 Musikfreunde zusammen, gründen den MUSIKVEREIN BURLAFINGEN und wählen als erste Vorstandschaft: 1. Vorstand Alfons Drittenthaler 2. Vorstand Robert Of 1. Kassier Josef Herrmann 2. Kassier Hans Brandstätter Schriftführer Anton Brunner Beisitzer Johann Böhm sen. Hans Zettl Kassenprüfer Alfred Knabl Georg Schwab Der Verein schließt sich sofort dem Allgäu-Schwäbischen Musikbund an. Als erster Dirigent einer 11 Mann starken Kapelle stellt sich Walter Dommin zur Verfügung. Kurz vor der 1.Ordentlichen Jahreshauptversammlung 1967 übernimmt Ernst Gilg die musikalische Leitung. Der erste große Auftritt der jungen Kapelle, die Mitwirkung beim Konzert der Feuerwehrkapelle Pfuhl, wird ein voller Erfolg und gibt für die Zukunft Auftrieb und Ansporn. 1969 ist ein großer Markstein in der Vereinsgeschichte. Der Musikverein – inzwischen 200 Mitglieder und 26 aktive Musiker stark – feiert trotz schlechter Witterung vier Tagelang mit seinen Gästen das Burlafinger Musikfest. Nach den Sommerferien dieses erfolgreichen Jahres übergibt Ernst Gilg den Dirigentenstab an Heinrich Schwandt, der sich bereits seit einem Jahr um die Nachwuchsausbildung bemüht. Das Niveau der musikalischen Darbietungen bringt nun sogar bei Wertungsspielen in der Mittelstufe gute Erfolge. Die Anforderungen an die Aktiven werden immer größer, denn die Beliebtheit der Kapelle erfordert viele öffentliche Auftritte im Jahr. Kameradschaftliche Verbundenheit der Aktiven sind der Vorstandschaft ein großes Anliegen. Die erste große dreitägige Fahrt der Kapelle führte nach Bonn. Im Jahr 1971 wurde in einer "Nacht- und Nebelaktion" der Schellenbaum angeschafft. Unser Musiker und Chronist seit den Gründungstagen - Hans Böhm sen. - hat uns aus dem 2. Band seiner Chronik hierzu eine sehr humorige Geschichte hinterlassen. (Siehe Anekdote zum Schellenbaum) Im Rahmen der Generalversammlung 1973 werden folgende Mitglieder zu Ehrenmitglieder ernannt: Wilhelm Bartusel, Johann Böhm sen., Konstantin Glöckle, Josef Keller, Josef Lukas, Eduard Schreiner und Josef Spinnler. 1974 beschließen die Mitglieder in der Hauptversammlung die Anschaffung einer Vereinsfahne zum 10-jährigen Bestehen des Vereins. 1976 ist ein weiterer Meilenstein im Leben des Vereins. Der mehr „eingetragene Verein“ feiert sein 10-jähriges Gründungsjubiläum mit Fahnenweihe. Der Musikverein Hohberg e.V. aus Plüderhausen übernimmt die Patenschaft. Voller Stolz geleiten Fahnenbraut Sylvia Steinbach und Fahnenträger Anton Schmid zusammen mit den zehn Festdamen die neue Fahne zur feierlichen Weihe. Das viertägige Fest wird für den Verein und Gemeinde ein einmaliges Erlebnis. 22 Musikkapellen und 16 weitere Vereine feiern mit. Nach den Worten des 1. Vorsitzenden Alfons Drittenthaler sen. ist die Fahne „Ein Sinnbild des Triumphes, ein rettendes Tuch in der Hand der Tugend, ein Zeichen der Brüderlichkeit, der Hoffnung, des Starkmuts und der Treue“; er belegte sie mit dem Vermächtnis, dass „kein Sturm, keine Treulosigkeit und keine Uneinigkeit sie jemals zerreißen möge“. Nicht nur dieses Fest hält unser Vereinsmitglied Hermann Förg in gekonnter Weise auf Super 8-Filmen fest. Seit dem ersten Musikfest des Vereins 1969 erstellt er Tonbildaufnahmen von den großen Ereignissen des Musikvereins, die er kurz vor seinem Tod 1990 dem Verein zur Aufbewahrung übergibt. Bis zur Fahnenweihe sind leider aber auch schon 22 Vereinsmitglieder verstorben. Darunter Robert Of, Ernst Gilg und Pfarrer Johann Gerstmayr. Mit dem Tod von Johann Böhm sen. erleidet der Verein zwei Jahre später einen weiteren schmerzlichen Verlust. Kurz vor seinem 71. Geburtstag verlässt uns der aktive Musiker und Chronist seit den Gründungstagen, noch bevor er den 2. Band seiner Aufzeichnungen vollenden kann, für immer. Das Jahr 1979 bringt weitere Veränderungen für den Verein. Alfred Pelz, der 2. Vorstand, sowie Kassier rnst Holzschuh treten aus gesundheitlichen Gründen aus ihren Funktionen zurück. Ihre Nachfolger heißen Josef Wolf und Ludwig Frank. Neben der regen Beteiligung an Festen und Feiern stellt sich unsere Kapelle auch in den Dienst sozialer und kirchlicher Einrichtungen. Besonderen Wert legen Vorstandschaft und Dirigent Schwandt auf kameradschaftliche Zusammengehörigkeit und auf die Förderung und Ausbildung des eigenen Musikernachwuchses. Nach 15-jährigem unermüdlichen Einsatz für „seinen Verein“ tritt Alfons Drittenthaler sen. im März 1981 in der Jahreshauptversammlung als 1. Vorstand zurück und auch Heinrich Schwandt zwingt eine schwere Erkrankung dazu, nach 12 Jahren den Dirigentenstab aus der Hand zu legen. Josef Wolf als 1. Vorstand, Hans Hirner als 2. Vorstand, Ludwig Frank als 1. Kassier und Alfons Drittenthaler jun. als Schriftführer übernehmen als neue Führungsmannschaft die Aufgabe, das Vereinsschiff aus dieser schwierigen Situation herauszumanövrieren. Klaus Weiß, Bezirksdirigent und Dirigent der Musikkapelle Unterfahlheim übernimmt übergangsweise die musikalische Leitung. Nach eingehender Suche entscheiden sich Vorstandschaft und Kapelle im Sommer 1981 für den jungen Dirigenten Hermann Schlapschi aus Langenau als Nachfolger von Heinrich Schwandt. Im November 1981 werden im Rahmen des ersten Burlafinger Konzertes in der neuen Iselhalle für ihren persönlichen Einsatz und ihre großen Verdienste zum Wohle des Vereins Alfons Drittenthaler sen. zum Ehrenvorstand, Heinrich Schwandt zum Ehrendirigenten und Josef Herrmann zum Ehrenmitglied ernannt. Die großen Konzerte des MVB stellen in den folgenden Jahren einen festen Bestandteil im jährlichen Terminkalender der Kapelle dar und – die vollbesetzte Iselhalle beweist es stets –eine hervorragende Werbung für konzertante, moderne, schwungvolle Blasmusik. Viele unserer Besucher erinnern sich vielleicht noch heute an die Gastkapellen: Jugendkapelle Nordendorf, Jungbläsergruppe der Musikschule Neu-Ulm, Trachtenkapelle Nersingen, Musikverein „Eintracht“ Oberelchingen, Musikverein Wiblingen, Trachtenkapelle Wildermieming/Tirol, Feuerwehrkapelle Pfuhl, Musikverein Harmonia Sontheim/Brenz, Musikverein Bermaringen, Musikverein Betzingen und die Musikkapelle aus Prad/Südtirol, sowie an die – so hofft er – kurzweiligen Ansagen und Gedichte von Martin Röger. Die neue Führungsmannschaft versteht es, die Jugendarbeit erneut anzukurbeln und so der Kapelle frische, junge Kräfte zuzuführen. Besonders Hermann Schlapschi gelingt es, durch engagierte Impulse neue Begeisterung bei den Aktiven zu wecken. Auf die Jugendausbildung und die musikalische Früherziehung legt er besonderen Wert. 1986 ist wieder ein Jahr von großer Bedeutung für den Musikverein Burlafingen. Wir feiern das 20-jährige Bestehen unserer Kapelle, verbunden mit dem Bezirksmusikertreffen des Bezirks 9 im Allgäu-Schwäbischen Musikbund. Hans Brandstätter wird beim Festabend für seine Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt. Vier Tage lang erlebt Burlafingen erlebnisreiche Tage, einen Festumzug mit 43 Gruppen bzw. Kapellen und beim großen Stimmungsabend erstmals die „MVB-Showkapelle“, eine Neuerung, die unseren Aktivengroßen Spaß, aber auch viel zusätzliche Arbeit bereitet und von nun an die Kapelle zu einer im weiten Umkreis begehrten Gastkapelle bei stimmungsvollen Festen macht. 1987 stimmt ein großer Unterhaltungsabend unserer Kapelle die Burlafinger und unzählige Gäste zur 700-Jahr-Feier des Ortes ein. Im Herbst des selben Jahres findet das erste Waldfest des MVB in der Nähe der Antoniuskapelle statt, zu deren Einweihungsgottesdienst wenige Monate davor die Kapelle ebenfalls den musikalischen Rahmen bildete. Dieses Waldfest löst die bisherigen Gartenfeste in den Gärten unserer Mitglieder Georg Hegele und Ludwig Glöckler ab. Noch im Herbst dieses ereignisreichen Jahres wird die erste Kassette unserer Kapelle aufgenommen. Durch ihr breites Spektrum aus dem musikalischen Repertoire des Orchesters erfreut sich die Aufnahme großer Beliebtheit. Im Herbst desselben Jahres fierte der MVB das erste Waldfest bei der kurz zuvor eingeweihten Antoniuskapellam Bogenhölzle. Die Walfeste lösten die bisherigen Gartenfeste in den Gärten unserer Mitglieder Georg Hegele und Ludwig Glöckler ab. "Burlafinger Musikanten grüßen..." war der Titel der ersten Musikkassette, die der MVB im Herbst dieses Jahres aufgenommen hat. Das Jahr 1988 führt die Kapelle zu ihrer bislang größten Reise: Nach Brasilien! Begonnen hatte es damit, dass unser Trompeter Heinz Heckemüller brasilianische Geschäftsleute zur Musikprobe am Donnerstagabend mitbrachte - so kam es zum Kontakt mit Südamerika! Nach fast einjähriger Vorbereitung starteten 26 Burlafinger Musiker am 8. Oktober 1988 mit über zwei Tonnen "Handgepäck" über Frankfurt mit dem Jumbo direkt nach Rio de Janeiro. Drei Tage an der Copacabana, mit Stadtbesichtigung, Sambashow, Besuch des Zuckerhuts und dem Corcovado - sogar ein Meeting mit Ronald Biggs, dem legendären englischen Posträuber, war dabei - vergingen wie im Fluge. Die zehn Auftritte des MVB beim 11 Tage dauernden "Entenfest" in Brusque, 1200km südlich von Rio, wurden - vor allem auch durch das feurige brasilianische Publikum - ein Riesenerfolg. Mit unvergesslichen Eindrücken und vielen Souvenirs beladen wurden die Musiker, wieder daheim, von Oberbürgermeister Dr. Peter Biebl, der Vorstandschaft und zahllosen Fans freudig empfangen. Bei einem Fass Weizenbier und frischen Brezeln gab es noch viel zu erzählen. Als Nachfolger der Vorstände Josef Wolf und Hans Hirner übernehmen 1989 Dieter Hanke als 1. Vorstand und Eduard Denzel als sein Stellvertreter die Führung des Vereins. Martina Wiedenmann als Schriftführerin und Walter Brick als 1. Kassier komplettieren die Führungsmannschaft. Als dringendste Aufgabe sehen sie die Notwendigkeit, bis spätestens zum 25-jährigen Vereinsjubiläum die Aktiven neu einzukleiden. Ernst Holzschuh und Georg Scheible werden im Rahmen des Konzertes 1989 zu Ehrenmitgliedern ernannt. Bereits ein Jahr später, beim Frühjahrskonzert 1990, können die Musikerinnen und Musiker ihre neue Uniform vorzeigen. Leider aber gibt dieses Jahr nicht nur Anlass zur Freude. Am 12. Juni 1990 geleitet der MVB seinen Ehrendirigenten Heinrich Schwandt zur letzten Ruhe. Im März 1991 erhält auch Alfred Pelz im Rahmen der Jahreshauptversammlung als Anerkennung für seine Verdienste die Ehrenmitgliedschaft überreicht. Der Sommer 1999 war leider sehr verregnet und zahlreiche Veranstaltungen fielen deshalb buchstäblich ins Wasser. Als Ersatz gab es für die MVB-Anhänger am 30. Oktober unter dem Motto "Musik ist Trumpf" einen temperamentvollen Tanz- und Unterhaltungsabend in der Isel-Halle. Am 21. April 2002 nahm der Musikverein Burlafingen e.V. bei einem Wertungsspiel des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, welches bei dem Bezirksfest des Musikbezirks 9 Neu-Ulm in Biberach ausgetragen wurde, teil, und erhielt in „Oberstufe“ einen „Sehr guten Erfolg“! Im Oktober 2002 entsteht der erste Internet-Auftritt des MVB durch den Posaunisten Stefan Lang (www.mv-burlafingen.de) Das Dorffest und die Dorfplatzeinweihung am 21. und 22. Juni standen ganz im Zeichen der Eingemeindung Burlafingens nach Neu-Ulm vor 25 Jahren. Selbstverständlich spielte die Kapelle an beiden Tagen. Beim Frühjahrskonzert am 24. April 2004 wagte sich der MVB mit der Aufführung des Musicals "Freude" auf musikalisches Neuland. Nach aufwändigen Vorbereitung in Bühnenaufbau und Technik une einer grandiosen musikalischen Leistung gelang es den hauptdarstellern und allen anderen Beteiligten, das Publikum in der voll besetzten Isel-Halle zu gewaltigen Beifallsstürmen hinzureißen. Von 1981 bis 2004 führte der "Conferencier" aus dem "Burlafinger Süden" - Martin Röger - mit erfrischenden, hintergründigen und charmanten Wortbeiträgen durch das Konzertprogramm. Der junge Christian Ott, als Saxophonist schon lange im Orchester dabei, übernahm im Jahr darauf seine Nachfolge und wurde zu einer überraschenden Neuentdeckung am Rednerpult. Unsere Kapelle hat auf Grund ihres Könnens und hohen Niveaus jährlich eine Vielzahl von öffentlichen Auftritten und Terminen zu absolvieren. So zum Beispiel Geburtstagsständchen, Hochzeiten und Beerdigungen von Vereinsmitgliedern, beim Maibaumaufstellen und dem darauffolgenden Weckruf, das eigene Konzert und als Gastkapelle bei auswärtigen Festen und Konzerten, bei kirchlichen Anlässen, bei Dorffesten, Unterhaltungsabend bis hin zur Nikolausfeier des Vereins und bei Weihnachtsfeiern, um nur einige der jährlichen über 40 Auftritte der Aktiven zu nennen. Hinzu kommt die wöchentliche Musikprobe plus Zusatzproben vor besonderen Anlässen. So kann der unermüdliche Einsatz der Aktiven und ihres Dirigenten Hermann Schlapschi für die Pflege des musikalischen und kulturellen Lebens in unserer Gemeinde und für die Förderung der Volksmusik nicht genug hervorgehoben werden.